Re: Würzige Tellerlinge zu verspeisen

Roland Brückner, (vor 7010 Tagen) @ Ingo

Hallo Forum,
nachfolgend noch ein Nachtrag zu Rhodocybe gemina. Gar so häufig ist die Art
ja dann
doch nicht vertreten. Eher überall selten bis gestreut. So ist es auch nicht
ungewöhnlich,
dass diese Art so manchem altgedienten Pilzexperten noch nie begegnet ist.
Das ist aber
nicht weiter wild, denn dazu ist das Forum unter anderem ja auch da –
Erfahrungsaustausch.
Ich für meine Person habe zum Beispiel noch nie einen Saftling in Natura
gesehen.
An dieser Stelle möchte ich in einem kurzen Auszug die Beschreibung im Pareys
(Bon) wiedergeben.
Fleischrötlicher Tellerling – Rhodocybe truncata (aktuell: Rhodocybe gemina)
Hut: 8-12cm; glatt oder leicht bereift; blass ockerrosa oder gelb- bis
rotbräunlich marmoriert.
Rand leicht eingerollt; bisweilen gekerbt
Lamellen: bogig herablaufend, blass ockerrosa
Stiel: variabel, 3-8x1-2 cm; weißlich oder wie der Hut gefärbt
Fleisch: blaß, mit aromatisch, mehlartigem Geruch; mitunter an Lepista nuda
erinnernd
Geschmack: Öl- oder Nussartig
Vorkommen: Mischwälder, grasiges Buschland, Wegränder usw.
selten; RL4, essbar
hier noch ein Bild, welches aber unter ungünstigen Lichtverhältnissen zu
leiden hatte

An dieser Stelle noch ein paar praktische Erfahrungen, da ich dieses Jahr
erstmals in der
Lage war, eine größere Menge zu testen.
Geruch: einzigartig, irgendwie nach Lepisa, aber nicht nach L. nuda. Leicht
süßlich, aber nicht aufdringlich
und vor allem nicht ein bisschen mehlartig (süsslich würzig!)
Geschmack, roh probiert: Hammer! Einmalig würzig, nach längerem Kauen stellt
sich ein intensiv-pilzig-
nussiger Geschmack ein. Nussöl könnte hinkommen.
Kulinarisch: So 300 Gramm habe ich mal mitgenommen. Nach Geruch und Geschmack
der rohen Pilze
hatte fest damit gerechnet, dass die Top 10 meiner Lieblings-Speisepilze
gründlich auf den Kopf gestellt würde.
Ich habe die Pilze im Anschluss mit den beiden geläufigsten
Zubereitungsmethoden traktiert. Allerdings ohne Melzer und KOH!
V1: Dünsten: Die Pilze in etwas Fett anbraten, zusammen mit Zwiebel, und dann
mit Brühe aufgießen,
etwas andicken und nachwürzen (Pfeffer, Salz, Rahm, Knoblauch, Schnittlauch).
Erstaunlicherweise gaben die Pilze so gut wie kein eigenes Aroma an die
Umgebung ab. Wenn man
dieses Verfahren mit Rötelritterlingen anwendet, hat man in jedem Fall ein
deftiges Pilzgericht auf
dem Teller, welches, gleich ob man das Aroma mag oder nicht, die verkochte
Art hervorhebt.
Egal, ob Lepista nuda oder L. saeva, ich würde sie mit verbundenen Augen
erkennen. In ein Gericht von
Lepista nuda würde ich allerdings nicht reinbeißen. Ich würde schon beim
Zubereiten fluchtartig die Küche verlassen! ;-))
Das einzige Aroma, was von R. gemina übrig blieb, war ein leicht bitterer
Nachgeschmack.
V2: Braten: In wenig Butter geschmort waren sie schon bedeutend besser. An
dieser Stelle eine Eigenheit: Wer den Geruch und den Geschmack von Lepista
saeva (personata) kennt – genau so roch es beim Schmoren.
Ohne Brühe, mit der entsprechenden Menge an Pfeffer und Salz versehen, ging
es schon etwas besser.
Auch hier empfand ich leider einen (gaaanz leichten) bitteren Nachgeschmack.
Und den mag ich nicht.
Aus meiner Sicht hat es den Anschein, dass bei der Zubereitung von den ganzen
leckeren Aromen
vor allem die Bitterstoffe übrigbleiben. Wem das nichts ausmacht, für den
dürfte Rhodocybe Gemina
genau das Richtige sein. Von der Bitterkeit her ist die Art milder als
Lactarius deliciosus (gebraten).
Von der Konsistenz her ist sie sogar sehr delikat. Irgendwo zwischen
Hallimasch/ Rasling und
Maronenröhrling (eigentlich ideal). Im Zusammenhang mit Eiergerichten kommt
sie bestimmt richtig gut.
Unter dem Strich handelt es sich für mich um eine gute Art, ein Mischgericht
zu verfeinern.
Für ein Einzelgericht kommt sie für mich eher nicht in Frage. Damit hat sie
auch in meiner
Top 10 nichts verloren.
Wahrscheinlich werde ich darauf in Zukunft, auch ob ihrer Seltenheit,
komplett verzichten.
Warum sollte ich mir damit auch die Raslinge versauen?!
Viele Grüß ins Pilzland – Ingo

Hallo Ingo,
habe Deinen Artikel mit großem Interesse gelesen und frage mich nun sehr neugierig welche Deine Top 10 sind?

Viele Grüße aus Marburg-Roland

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