Re: Incertae sedis?
Hallo Tomate,
es handelt sich bei der biologischen Systematik keineswegs um ein dem
"Schubladendenken des Menschen" entspringendes Konstrukt. Die
dadurch zum Ausdruck gebrachte Ordnung ist ganz im Gegenteil von
allgemeiner Gültigkeit - und eben keine Denkkrücke einer überforderten
Spezies.
Das sehe ich ebenfalls wie Andreas und Ingo. Naturwissenschaft ist eigentlich Schubladendenken (aber im besten Sinne!). Selbst phylogenetische Stammbäume arbeiten mit einfachen (künstlichen*) Ordnungsstrukturen (Verzweigungen, Pools, usw) und können wahrscheinlich die "Realität" nicht richtig abbilden.
Selbst die Genetiker haben ein Problem: An welchen essentiellen Strukturen sollen sie sich orientieren? Welche hochkonservativen Protein(DNA)-Strukturen sollen sie für den Verwandtschaftsvergleich hernehmen? Verwandtschaft ist ja nur Indizienwissen und geht in die statistische Beurteilung ein; das einzige 'Wahre', die einzige fassbare, erfahrbare 'Realität' ist das Individuum (nicht mal die Art! Weil Art auch nur ein Schublade ist).
Sehr wahrscheinlich stört dich der Ausdruck "Schublade" und dessen negative Besetzung. Ich meine es im besten Sinn: Ein Naturwissenschaftler, der keine Schubladen zur Verfügung hat, ist aufgeschmissen.
Grüßle
Juergen
*aus der menschlichen Logik entsprungenen