Pilze Pilze Forum
Erweitert

Re: Lactarius citriolens vs. aquizonatus

Jesko, (vor 4743 Tagen) 1.044 Beiträge @ thkgk

Hallo Thomas,

Vielen Dank für die Messung und das schöne Sporenfoto, dass nach Basso leider
sowohl gut zu citriolens als auch zu aqizonatus passt. Das Ergebnis
entspricht eigentlich genau meinen Erwartungen. Irgendwo im Bereich
zwischen aquizonatus und citriolens. Gott sein Dank näher bei citriolens,
denn trotz allem sieht der Milchling für mich eher wie citriolens aus.

Ich würde mein Ergebnis schon so formulieren wollen, dass das citriolens ist.

Insgesamt scheint citriolens die robusteren Fruchtkörper zu bilden.
Allerdings habe ich aquizonatus noch nicht in Natura gesehen.

Das, was wir damals als aquizonatus hatten, waren sehr große, aber nicht unbedingt stämmige Milchlinge.

Du schreibst: "Der Hilarfleck ist gut abgegrenzt und komplett inamyloid,
was allerdings in der Frage citriolens vs. aquizonatus nicht zur Klärung
beiträgt, doch immerhin ist das in der Sektion nicht
selbstverständlich." Das ist unter anderem ein Indiz dafür, dass
beide Taxa nahe verwandt sind.

Bei den Scrobiculati hätten auch scrobiculatus, leonis, olivinus und resimus einen komplett inamyloiden Hilarfleck. Das hat also nicht unbedingt viel zu sagen.

Weiter schreibst du, die Stärke der Epikutis ist sicher ein gutes Merkmal. Da
stimme ich dir zu. Sie lässt sich aber vermutlich nicht ganz so leicht
bestimmen. Aber auch hier gibt es wahrscheinlich/ möglicherweise
Übergänge. Insgesamt ist die Beschreibung bei Heilmann wohl besser,
(hinzukommt, dass sie auf englisch ist), Basso hat von beiden Arten nur
wenige Exemplaren untersucht und dabei handelt es sich wohl zum größten
Teil um getrocknete Exikate.

Ob die Epikutisstärke ein gutes oder eher ein intraspezifisch variables Merkmal ist, kann ich im vorliegenden Fall nicht beurteilen. Das müsste systematisch untersucht werden. Zudem müsste sie standardisiert beurteilt werden. Wenn der Unterschied wirklich konstant so groß ist, wie sich aus dem Vergleich der Beschreibungen in Heilm.-Cl. & al. ableiten lässt, dann wäre es ein leicht zu beurteilendes Mikromerkmal. Basso hat ibs. für aquizonatus in der Tat weniger Kollektionen untersucht. Wie gründlich jeweils untersucht wurde, wage ich jedoch nicht zu beurteilen.

Was mich jetzt noch interessieren würde ist. Ist die Sporenbreite von
Umwelteinflüssen abhängig. Haben die Sommer gesammelte Exemplare insgesamt
rundere Sporen oder ist die Sporenbreite einfach genetisch fixiert.
Vielleicht hast du da ja Erfahrungswerte von anderen Arten.

Auch Mikromerkmale schwanken selbstverständlich (was vielleicht manche nicht wahrhaben wollen). Dabei kann bei einer Art das eine, bei einer anderen hingegen ein anderes variabler sein. Wovon diese Schwankungen abhängen, müsste man im Einzelfall untersuchen, was jedoch nicht gerade leicht ist. Unterscheiden kann man außer der Variabilität im selben Fruchtkörper (intrakarpische Variabilität) beispielsweise zwischen Unterschieden zwischen Fruchtkörpern derselben Aufsammlung/lokalen Population (interkarpische Variabilität) und solchen zwischen verschiedenen lokalen Populationen (d.h. zwischen an verschiedenen Standorten gesammelten Fruchtkörpern). Von welchen Umwelteinflüssen Schwankungen der Sporenmaße abhängen könnten, vermag ich nicht zu sagen. Im vorliegenden Fall gibt es dieses Problem im Moment ja auch nicht, da wir keine Sporenabwürfe zu unterschiedlichen Zeiten untersucht haben.

Viele Grüße,
Jesko

Eintrag gesperrt
41 Aufrufe

gesamter Thread: