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Re: Orbilia @ Mikro-Färben

UmUlmHerum, (vor 4641 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

besten Dank für Deine Erklärungen! Eigentlich hatte ich vorgehabt, Dir eine Mail mit meinen Fragen zu schreiben, aber nun hat es sich hier ergeben... vielleicht war Deine Antwort ja auch für andere Mitleser interessant.

Gestern hatte ich mit dem Kongorot und den Trameten schon ein bisschen rumprobiert, war aber mit dem Ergebnis nicht so recht zufrieden. Dünne Schnitte finde ich bei diesem holzigen Zeug immer noch schwierig, und durch die dicken Schichten ist die Farbe nicht richtig durchgedrungen. Die wenigen Male, wo ich was mit Exsikkaten gemacht habe, hatte ich die Schnipsel eben in Wasser quellen lassen, das dauert bei dünnem Material auch nicht lange. Bei Sporen habe ich allerdings, sogar bei frischem Material, immer das Gefühl, dass sie in den ersten 15 min. im Wasser größer würden?! Ich frage mich, ob das wirklich so ist oder ob sich nur meine hirninterne Optik auf den Mikroskop-Blick einstellt?

Viele Grüße - Rika

Hallo Rika,
Kongorot in SDS bedeutet, dass der Farbstoff "Congo Red" in Sodium
Dodecyl Sulfat gelöst ist. SDS ist ein Mittel, das die Oberflächenspannung
von Wasser reduziert und gleichzeitig das damit benetzte Objekt weicher
und aufnahmefähiger macht. Der Farbstoff kann dann besser einziehen. SDS
ist wichtiger Bestandteil in vielen Waschmitteln, Duschgels etc.
Kongorot / NH3 bedeutet, dass "Congo Red" eben in Ammoniak gelöst
wird, nicht in SDS. Ammoniak hat ebenfalls die Eigenschaft, das benetzte
Gewebe weich und ausnahmefähig zu machen. Sogar noch stärker als SDS.
So, daraus kannst Du also sehen, dass es einerseits ums Färben als solches
geht, dafür dient das Kongorot, andererseits um die optimale Vorbereitung
des zu färbenden Objektes. Dazu nutzt man dann verschiedene Mittelchen,
die entweder (wie im Falle von Kongorot) das (Pilz-)Gewebe saugfähiger
machen sollen oder im Falle von anderen Färbemitteln ein Austrocknen des
Präparates verhindern sollen und gleichzeitig einen etwas besseren
Brechungsindex als Wasser bieten: Lactoglyzerol, Lactophenol,
Glycerinethanol, GSM, L4 und was es da alles noch gibt. Alles sind mehr
oder weniger ähnlichen Mischungen mit Glyzerol und einem Weichmacher.
ABER!!!
Das ganze macht eigentlich nur Sinn, wenn man mit nicht-frischem Material
hantiert. Habe ich Frischmaterial, dann brauche ich keine Weichmacher,
dann brauche ich nichts gegen Austrocknung des Präparates (außer ich will
Dauerpräparate herstellen) - ich brauche einfach nur ein Färbemittel. Das
kann dann genausogut in Wasser gelöst sein - vorausgesetzt der Farbstoff
löst sich in Wasser überhaupt.
Im Falle von Helotiales ist es aber noch etwas komplizierter, denn da
verändern sich Strukturen beim Absterben des Fruchtkörpers oft recht
drastisch. Sporen und Asci schrumpfen um bis ca. 30 %, Zellinhalt fließen
ineinander oder verschwinden ganz, u. ä. Fiesheiten.
Da Kongorot als ziemlich toxische Substanz gilt (auf den Menschen bezogen),
kann es gut sein, dass auch eine wässrige Lösung letal für die
Asacomyceten-Strukturen ist. Ich werde das bei Gelegnheit ausprobieren,
denn ich muss eh wieder neues Kongorot ansetzen. Da werde ich gleich mal
ein paar Fläschen Kongorot /H2= machen, in verschiedenen Konzentrationen.
Ich könnte mir vorstellen, dass eine stark verdünnte wässrige Lösung immer
noch ganz nette Färbe-Ergebnisse bringt und die armen kleinen Orbilchen
trotzdem am Leben lässt.
Beim Kresylblau ist es ja auch so, dass da eine Verdünnug meines Kresylblaus
reicht. Ein bischen CB auf den Objektträger und einen Tropfen Wasser
daneben, das reicht meist. Da musst Du einbischen rumspielen und testen,
wieviel CB aus dem Fläschchen in wieviel Wassertropfen eine gute Färbung
der Sporenkörper bringt, ohne das ganze Präparat einheitlich
tiefviolettblau zu färben.
So, für's erst mal. Wenn noch Fragen sind - bitte gerne. Bin aber kein
Chemiker ....
beste Grüße,
Andreas


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