Pilze Pilze Forum
Erweitert

Re: gibts einen pädagogischen Ansatz?

Huperzia ⌂, (vor 8081 Tagen) 2.287 Beiträge @ Birgit

Hallo Birgit,

Deinen Gedanken finde ich wirklich gut und für mich bringt´s die Sache gut auf den Punkt ....auch wenn man nun vielleicht etwas abschweift.

In der Schule, in die mein Sohn seit diesem Jahr geht, werden zwei Methoden angeboten, Lesen zu lernen. Die eine ist die, die wohl fast alle hier an eigenem Leib erfahren durften: es wird ein Buchstabe nach dem anderen eingeführt und man lernt so nacheinander Wort für Wort lesen und dann auch schreiben. Wenn man statt Pfifferling Pfiferlink schreibt, wird es sofort korrigiert .....aber solche schweren Worte sind da dann auch erst in der zweiten Klasse dran.

Die andere Methode noch nicht ganz so verbreitete Methode, die auch mein Sohn erfahren darf, ist die, daß die Kinder schon in der ersten Woche eine Tabelle bekommen, wo neben jedem gängigen deutschen Laut ein Bildchen gemalt ist, was mit demselben anfängt. Neben dem P ist ein Pilz, neben dem Sch ein Schweinsohr, neben dem I ein Igelstäubling und so weiter. Die Kinder können mit dieser Tabelle sofort wild drauflosschreiben. Sie hören (anfangs sprechen sie dabei viel laut vor sich hin, um die Laute und ihre Reihenfolge zu erkennen) also die Laute und gucken dann, wo sich das Wort, das mit diesem laut anfängt in ihrer Tabelle befindet und schreiben diesen dann ab. So entstehen Worte wie "Fiferlink, Schtainpilts, Knolenbleterpils und Marone". Für manche recht gewöhnungsbedürftig, aber bei dieser Methode nur konsequent, wenn diese Wörter im heft auftauchen sind sie RICHTIG, richtiger als die für unser geschultes Gemüt korrekte Schreibweise. Die Kinder können also von Anfang an alles schreiben, was sie hören und werden angehalten (durch die übrige Unterrichtsstruktur) dies viel zu tun. Lesen können sie so noch nicht, aber es gibt einen Moment, in dem es Klick macht und sie das Lesen begreifen ....nicht durch mühsames einzelnes Zusammenziehen der Buchstaben, sondern durch Erfassen der Laute des ganzen Wortes (da vertrau ich den Aussagen der Lehrerin, soweit ist Felix noch nicht).
Rechtschreibung ist dann eine Sache, die ganz von alleine kommt, oft aber erst in der dritten oder vierten Klasse. Sinn der Sache ist, den Spaß am Lernen zu fördern. Die Kinder (schreiben) erst und konsumieren (lesen) als Folge. Der Spaß des Schreibens wird nicht durch oft schwer nachvollziehbare Rechtschreibregeln gebremst.
Wie ich gehört habe, ist da schon manch ein Eltern sehr unruhig geworden, als das Kind mit fortgeschrittenem Schulalter noch "Fiferlink" geschrieben hatte und wie groß das Unverständnis in der oft eher älteren Lehrerschaft ist, kann ich mir nur denken.
Viele Wege führen, wie Bigit schon sagt, nach Rom und ich persönlich halte diesen Lernweg für sinnvoller, weil jeder Schüler selbst sein Tempo bestimmt und eben auch die Kreativität mehr gefragt ist.

Viele Grüße,

Tanja

Eintrag gesperrt

gesamter Thread: