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Re: Weihnachtsgedanken

Christoph ⌂, (vor 6158 Tagen) 878 Beiträge @ Der Juergen

Servus Jürgen,

stimmt, ich habe Agnostiker mit Atheisten in einen Topf geworfen - dies allerdings bewusst. Wenn man beides sauber trennt, dann wird man vermutloch nur sehr wenig "echte" Atheisten finden. Denn wie sollen sie widerlegen, dass es Gottähnliches gibt. Und schon reden wir nicht aneinander vorbei ;-). Denn wer glaubt, dass es keinen Gott geben kann, der glaubt auch etwas. Ich vermute aber, dass die meisten, die sich "Atheisten" nennen, eigentlich eher Agnostoker sind. Eine Ausnahme war beispielsweise Douglas N. Adams, der ein vehementer Atheist war.

Vielleicht ist bei vielen Atheisten die Naturwissenschaft so eine Art höhere
Mathematik des negativen Gottesbeweises. Gottesbeweis schließt bei mir
auch den Beweis ein, dass es keinen Gott gibt - war wohl auch wieder eine
Quelle des Missverstehens.

O.k., dann verstehe ich Dich. Steven Hawking ist beispielsweise so jemand. Er versucht ja seit vielen Jahren, die Nichtexistenz eines Gottes zu beweisen.

Da hast Du mich wahrscheinlich auch missverstanden. Ich glaube jedoch, dass
es viele Menschen gibt, die in den Erkenntnissen der Naturwissenschaften
"(pseudo)-religiösen" Halt suchen.

Ja, das mag sein. Meines Erachtens liegt dies tief un uns verankert. Der Mensch neigt zur Spiritualität, weil ihm das anscheinend hilft, mit der Komplexizität seiner Umwelt umzugehen (und/oder seiner Intelligenz, seiner Eigenschaft bewusst zu denken).

In einem Glauben oder einer Religion sind Werte enthalten, die eine
Wissenschaft nicht liefern kann;

D'accord. Nicht umsonst hat sich auch eine Form des Humanismus entwickelt, die ebenfalls Werte vermitteln möchte - und dies unabhängig von Religion, wenngleich der europäische Humanismus auf dem Fundament des Christentums bzw. dessen Morallehre steht.

Nun, ich hatte nicht geschrieben, dass Wissenschaft nervig sei, ich bin ja
ebenfalls Wissenschaftler. Nervig sind Gottes- oder auch
Nichtgottes-Beweise, die anhand naturwissenschaftlicher Erkenntnisse
(besser Interpretationen) bemüht werden.

Wieder d'accord, und zwar auf beiden Seiten. Kennst Du die Bücher, die versuchen, anhand von Fossilien oder Bernsteineinschlüssen das Wirken Gottes zu "beweisen"? Ich kenne da eines, das versucht, damit die Sintflut (und das Irren Darwins) zu "beweisen", sowie eines, das aus muslimischer Sicht das Wirken Allahs und damit das Verneinen der Evolution "beweist". Die "Beweisführungen" sind so grotesk und teils bewusste Irreführungen bzw. Betrug und Datenverfälschungen, dass einem schlecht werden kann. Ja, Gottesbeweise und Gottes-Nicht-Beweise können extrem nervig sein. Ich finde aber keine Seite nerviger als die andere.

Kennst Du "Evolution of the Brain: Creation of the Self" (1989) von
John C. Eccles? Ein wunderbares Buch, bis man zur letzten Seite kommt, und
lesen muss, dass ein hochkarätiger Hirnforscher zu seiner Interpretation
kommt, dass es wohl einen Gott geben muss. Eines der peinlichsten
Gottesbeweisführungen in der Naturwissenschaft.

Nein, aber ich habe von dem Buch gehört. Muss ich mir mal zu Gemüte führen ;-)

Liebe Grüße
Christoph

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