Re: Panikmache?
Liebe Karin,
der Grundtenor deiner Aussagen (auch im Tintling) scheint zu sein:
Aber die Anzahl der von Pilzen Getöteten steht in einem krassen Missverhältnis zu den allgegenwärtigen Warnungen vor den bösen bösen Pilzen....
Kann man es nicht auch andersrum sehen:
Weil eben Aufklärung betrieben wird und die Leute gewarnt sind, gibt es so wenige Vergiftungen.
Da es also nur noch wenige Vergiftungen gibt, muss ja nicht mehr aufgeklärt werden???
Das klingt ähnlich wie der Prinzipienstreit bei Schgutzimpfungen. Da fast alle gegen Polio geimpft sind, ist die Krankheit fast kein Thema mehr bei uns.
Da es aber fast kein Polio mehr gibt, propagieren einige, man solle nicht mehr impfen, da Impfungen ja auch ein Stress für den Körper sind. Wenn man flächendeckend damit aufhören würde, wäre Polio sehr schnell wieder präsent.
Bei uns gibt es zum Glück keine Massenvergiftungen mehr. Bei Parma gab es mal vor ein paar Jahren eine Vergiftungswelle mit Riesenrötlingen (als Nebelkappen gesammelt). Ich war damals unten in der Region und die ansässigen Mykologen haben davon berichtet. Unnötig wie ein Kropf, da die beiden Arten gut auseinanderzuhalten sind. Aufklärung hätte geholfen.
Deine Aussage im Tintling, dass man, wenn man die wichtigsten Giftpilze kenne, ruhig sich durchfuttern könne, da nix schlimmes passieren kann, ist gefährlich und beruht auf einem inkorrekten Umkehrschluss.
Man kennt dann alle bekannten (!) Giftpilze. Dass dann alle anderen essbar seine, das ist hahnebüchen. Und wie kannst du wissen, dass nicht irgendeine imj Speisewert noch unbekannte Art nicht auch hochgiftig sein kann?
Pilzberatung tut Not. Schau dor mal de Symptome des Acromelalga-Syndroms an. Das ist das grausamste, was ich bisher gelesen habe. ASuch nur ein Fall wäre zu viel. Und die Art kommt möglicherweise bald bei uns vor, wenn die Klimaänderung fortschreitet. Ohne Aufklärung und Pilzberater würd eman viele ins offene Messer laufen lassen.
Ich frage mich nur wozu? Aus ideologischer Sichtweise, weil man aus Prinzip kein Panikmacher sein will? Weil es Sport ist, alles, was einen nicht umbringt auch zu essen?
Ich für mich (und ich bin auch sehr experimentierfreudig, was Pilzeessen angeht) kenne viele unprobelmatische und essbare Arten. Ich für mich esse nur, was ich kenne (dann kann nämlich gar nischt passieren). Und dieser Leitssatz - iss nur, was du kennst (und essbar ist), ist mein Rat an alle Einsteiger und Fortgeschrittene.
Niemand hat es nötig, Kremplnge oder Lorcheln zu essen. Es gibt so viele sichere Arten.
Schade, dass du, Karin, den Tintling dazuu verwendest, für den Krempling, Lorcheln etc. zu werben. Dass gerade dein Heft von vielen Mykophagen gelesen wird, gerade die Zielgruppe, die auf solche Ausagen abfährt, vergisst du. Deine eigene Meinung in Ehren, aber wo bleibt deine Verantwortung?
Vielleicht sollen ab dem neuen Jahr alle wieder Kremplinge essen. Ich möchte aber dein Gewissen nicht haben, wenn plötzlich (bzw. nach ein paar Jahren) diverse Tintlingsabonnenten sterben oder Organschäden haben. Die luete hätten dir vertraut, dass du als Herausgeberin einer weit verbreiteten Zeitschrift alle Warner als Panikmacher titulierst.
Übrigens, und das habe ich dir, meine ich, schonmal geschrieben... die letzten Kremplingsfälle gab es noch in den 90er Jahren.
Wer Fliegenpilze, Kremplinge und Giftlorcheln essen will - bitte. In letzteren beiden Fällen aber bitte pivat versichern, damit nicht die Allgemeinheit für diese Torheiten zahlen muss.
Wer meine Ansicht als paranoid betrachtet - bitte, habe kein Problem damit. Ich habe mir jedenfalls noch keine Vergiftung zugezogen und werde es auch nicht.
Mit weihnachtlichen Grüßen
Christoph