Pilze Pilze Forum
Erweitert

Re: Stellungnahme des BfR zum Grünling

thomas aus D, (vor 7898 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Du fällst da ja ein ganz schön hartes Urteil über die armen Leute. Aber gut, "nicht allzuviel Ahnung" ist ja vielleicht doch gerade noch milde genug. Obwohl ich nicht völlig nachvollziehen kann, worauf sich dein Urteil gründet. Mir ist halt folgendes aufgefallen:

interessanter- und erschreckenderweise erscheint gleich mehrmals in diesem
Statement das für mich ziemlich unlogische Resumée, dass "man zwar
das Gesundheitsrisiko nicht abschätzen könne, es aber im Vergleich zu
Unverträglichkeiten manch anderer Pilzarten (roher Hallimasch wird als
Beispiel genannt) für außerordentlich gering halte".

Ich habe mir die Studie aufmerksam durchgelesen, konnte aber den von Dir genannten Vergleich mit rohem Hallimasch so nicht finden (übersehen?). Der Zusammenhang zu Hallimasch taucht zweimal auf. Dabei wird eindeutig die Zahl der tatsächlichen Vergiftungsfälle miteinander verglichen und diese scheint beim Hallimasch eben viel höher zu sein.

Erstens ist es für mich ein erheblicher Unterschied, ob jemand Probleme mit
einem als roh giftig geltenden Speisepilz hat (das ist schließlich bei
Pilzen eher die Regel als die Ausnahme, z.B. alle Raufüße, Wulstlinge
etc.) oder ob es Todesfälle bei einem ordnungsgemäß zubereiteten
Speisepilz gab.

Ist es denn weniger schlimm, wenn sich jemand mit einem nicht ordnungsgemäß zubereiteten Pilzmenue vergiftet?

Ob das nun an einer Überdosierung Grünling liegt (wahrscheinlich) und/oder an
genetischer Dispoition - man weiß es einfach nicht so genau und
wohlweislich hat diese Behörde auch die Empfehlung, den Grünling nicht zu
essen, auch bestätigt.

Genau! Was ist daran falsch?

Was soll dann also dieses ungereimte Geschwätz von
wegen "wird im Vergleich zu anderen Pilzsorten, die ebenfalls
Unverträglichkeit hervorrufen können (z.B. roh verzehrter Hallimasch) als
außerordentlich gering erachtet". Das kann man ja dann auch für die
Frühjahrs-Lorchel und den Kahlen Krempling konstatieren.

Ist doch ganz einfach: In Deutschland gibt es bis heute keinen (nachgewiesenen) Rabdomyolysefall durch den Grünling. Bei sieben Meldungen an Giftinformationszentralen wurde der Grünling genannte. Sechs davon haben sich als unspezifisch herausgestellt. Bliebe ein möglicher Vergiftungsfall mit Grünlingen und dabei gab's offenbar keine Rabdomyolyse. Ergo scheint das Vergiftungsrisiko im Vergleich zu anderen Pilzarten gering.

Bezüglich "ungereimtes Geschwätz" siehe oben. Das steht einfach so wie Du zitierst nicht da drin!

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da Leute am Werke waren, die
nicht allzuviel Ahnung von der Sache haben ....
beste Grüße,
Andreas

Diese Leute haben meines Erachtens die verfügbaren Daten zu Grünlingsvergiftungen zusammengetragen und damit das Risiko, dass eine solche Vergiftung passieren kann abgeschätzt mit allen Unsicherheiten. Tatsächlich hätte man anhand der Datenlage wohl auch zu einer anderen Einschätzung kommen können (siehe Italien und Frankreich). Insgesamt macht diese Stellungnahme auf mich aber den Eindruch, dass die Leute sorgfältig recherchiert und bewertet haben.

Vielleicht konnte ich Dich noch zu einem milderen Urteil umstimmen.

Herzliche Grüße
Thomas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

gesamter Thread: