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Re: Stellungnahme des BfR zum Grünling

thomas aus D, (vor 7896 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,

da habe ich wohl in ein Wespennest gestochen.

Hallo Thomas,
ich denke, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen worden sind.
Natürlich gibt es in Deutschland mehr Fälle von Vergiftungen (ich spreche
hier der Einfachheit halber mal "Vergiftungen" und
"Giftigkeit") mit ungenügend gekochten Hallimasch. Der wird ja
auch häufiger gesammelt und kommt in ungleich höheren Mengen vor.

Richtig. So habe ich die Jungs vom BfR auch verstanden.

Es geht meiner Meinung nach aber nicht um die rein zahlenmäßige Statistik,
wie häufig eine Vergiftung ist, sondern um ihre Wahrscheinlichkeit.

Wie soll "Wahrscheinlichkeit" ohne eine "rein zahlenmäßige Statistik" funktionieren?

Und
die Wahrscheinlichkeit, sich mit Grünlingen bei genügend großen, dicht
aufeineranderfolgenden Mahlzeiten eine möglicherweise tödlich verlaufende
Rhabdomyolyse einzuhandeln ist bei uns genauso groß wie in Frankreich oder
Polen.

Was soll das? Bei Anwendung von genügend großen Mengen kann man sich mit fast allem umbringen!

Und sie ist genauso groß wie sich mit rohen Hallimashc Probleme zu
bereiten. Nur das große Teile Deutschlands mangels genügend
Grünlingsaufkommen davon kaum betroffen sein dürften.

Und genau das ist der Punkt. Die Wahrscheinlichkeit sich mit Grünlinge zu vergiften und sei es wegen seiner Seltenheit ist verschwindend gering. Das ergibt sich schon aus der Tatsache, dass dieser Fall bis heute nicht eingetreten (dokumentiert) ist.

Das sieht sicherlich in Nordostdeutschland (z.B. Lausitz) aus.
Ja schon, aber wie gesagt, diese Schlußfolgerung ist meiner Meinung nach
unzulässig. WENN man schon vergleichen will, wie "riskant" eine
bestimmte Pilzart ist, dann müßte man die Anzahl der insgesamt
zubereiteten Mahlzeiten ins Verhältnis setzen zur Anzahl der davon
problembehafteten. Also beispielsweise bei 1 von 1000 Mahlzeiten passierte
was. Und da glaube ich, dass der Grünling nicht besser wegkommt als der
Hallimasch (gefühlsmäßig) - abgesehen davon, dass ein solcher Vergleich
zwischen einem gastrointestinales Problem(chen) und einen in unglücklichen
Fällen bis zum Tode führenden Muskelschwund eh hinkt!

Es beruhigt mich, dass Du doch noch auf "rein zahlenmäßige Statistik" zurückgreifst. Hihihi ...

Ist es denn weniger schlimm, wenn sich jemand mit einem nicht ordnungsgemäß
zubereiteten Pilzmenue vergiftet?
Eindeutig ja!

Hart aber gerecht. Wer seinen Halimasch nicht ausreichend kocht, der verdient es nicht besser. Siehst Du das für Pantherpilze genau so? Wer sich ne Pantherpilzvergiftung einhandelt, weil er Perlpilz und Panther nicht unterscheiden kann, der verdient es nicht besser? Ich bin mir sicher, das siehst Du nicht so!

Nein, das Vergiftungsrisiko als solches ist nicht gering. Nur die Möglichkeit
der Vergiftung mangels Masse an Grünlingen. Und unsere gesellschaftliche
Struktur, die Pilze kaum als tägliches Nahrungsmittel ansieht und daher
viel weniger Menschen als z.B. in Polen täglich Grünlinge essen würden
selbst wenn sie angeboten werden würden.

Du sagst es. Das ist genau der Punkt:

DAS RISIKO, SICH IN DEUTSCHLAND MIT GRÜNLINGEN ZU VERGIFTEN, IST GERING!

Du erläuterst warum die Wahrscheinlichkeit gering ist. Weil der Pilz selten ist, weil wenige Menschen Pilze essen usw.

s. oben.
Vielleicht verstehe ich die Aussage dieses Textes ja auch falsch. Für mich
steht da jedenfalls drin, dass das Risiko, sich in Deutschland mit
Grünlingen Rhabdomyolyse einzufangen ausgesprochen gering sei. Das ist
aber einfach falsch. Das Risiko ist hier genauso groß wie anderswo. Der
Grünling ist in Deutschland nicht weniger giftig als in Polen.
Ich kann mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass den Leuten selbst nicht
so recht wohl mit dieser Aussage war, daher vermutlich auch der eigentlich
nicht so recht zu dem ach so geringen Risiko passende Schlußsatz "Die
vorbeugende Empfehlung des BgVV, auf den Verzehr des Grünlings zu
verzichten, hält das BfR aber aufrecht".
Im Übrigens bin ich bei all dem Gesagten davon ausgegangen, dass
Rhabdomyolyse durch Grünlinge einzig und allein bei in kurzen
Zeitabständen mehrmals wiederholtem Genuss auftritt. Das scheint sich
herauszukristallisieren, ist aber bei weitem nicht bewiesen. Und in wie
weit hier weitere gesundheitliche oder genetische Vorgaben des einzelnen
Menschen eine Rolle spielen ist auch keinesfalls bekannt.
Unter diesen Voraussetzungen halte ich den Grünling für ähnlich gefährlich
wie den Kahlen Krempling. Warum wird da auch nicht ähnlich vehement davor
gewarnt? Nur weil Kremplinge Massenpilze sind und Grünlinge nicht?
Wieviele tatsächlich nachgewiesene hämolytische Vergiftungsfälle gab es
denn beim Krempling? Bestimmt nicht wesentlich viel mehr als beim Grünling
Rhabdomyolysen.

Tun wir dem Kahlen Krempling Unrecht? Jeder von uns kennt genügend Leute, die jedes Jahr ansehnliche Menge an Kahlem Krempling konsumieren. Wenn man denen erzählt, der Pilz sei giftig, erntet man meist nur ein mitleidiges Lächeln.

Nicht wirklich. Ich halte dieses Statement für verharmlosend aufgrund des
geringen Grünlingsverzehrs in der BRD und den damit auch wenig
wahrscheinlichen Vergiftungsfällen. Aber es geht für mich aus dem Text
nicht hervor, dass das Risiko nur aufgrund der Häufigkeit der Art gering
ist und nicht aufgrund der (zu vermutenden) Giftigkeit!
Übrigens, in Polen in Schlesien zwischen Zgorzelec und Breslau kommen im
herbst die Grünlinge putzeimer- und selbst waschkörbeweise auf den Markt.
Auch meine Ex-Schwiegermutter mochte (und mag) die "Zielonki"
immer am liebsten und verarbeitete die zu allem möglichen. Polen gehört
bald zum EWR (oder tut es das schon?), warum sollen nicht größere Mengen
Grünlinge zumindest in die grenznahen Gebiete exportiert werden?
beste Grüße,
Andreas

Gut, ich versteh dich ja. Du möchtest nach dem bewährten Motto "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" handeln und da stehst Du nicht alleine.
Ich habe den Grünling früher sehr gerne gegessen. Seit ich zum ersten Mal von Vergiftungsfällen gehört habe, mag ich ihn nicht mehr. Das ist die gleiche Reaktion.

Gruß
Thomas

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