Re: Incertae sedis? Wissen vs. Glauben

Krötenhocker, (vor 6831 Tagen) @ UweL

Hallo Uwe,

a) nachvollziehbar (Kriterium der Widerspruchsfreiheit)
b) nachprüfbar (Kriterium der Objektivierbarkeit und Kriterium der
Reproduzierbarkeit)
c) rational geordnet und zusammenhängend (Stichworte: These/Hypothese,
Trennung von Objekt- und Metasprache, Gebrauch von Begriffen / Fachtermini
usw.) sowie
d) öffentlich publiziert sein.
Diese Aspekte betreffen sowohl den Inhalt als auch die gewählte
Methode."
Vor allem die Aspekte "Objektivierbarkeit" und
"Reproduzierbarkeit" markieren deutlich die Grenze zwischen
Wissen auf der einen und Glauben, Meinen usw. auf der anderen Seite.

Speziell b) mit der Reproduzierbarkeit hatte ich ja schon mal angesprochen, aber anscheinend sind in der Mykologie viele Abgrenzungen nicht so präzise (möglich?), dass nicht doch ein und derselbe Pilz mehrmals beschrieben wird.

Wissenschaften folgen damit bestimmten festgelegten Verfahrensweisen, mit
Hilfe derer in den Wissenschaften Wissen hergestellt oder - etwas
vorsichtiger ausgedrückt - etwas, was man herausfindet, als Wissen von der
Wissenschaftsgemeinschaft anerkannt wird.

Das hat Andreas "geglaubt" genannt, was ich fast treffender finde, jedenfalls bei Pilzen.

Es ist damit auch klar, dass es,
wie Andreas schon am Beispiel einer neuen Artbeschreibung ausgeführt hat,
ziemlich aufwendig ist, tatsächlich etwas Neues als Wissen in die
Wissenschaftsgemeinschaft einzuspeisen. Denn das Kriterium der
Objektivierbarkeit bedeutet ja, dass vom Wissenschaftler auf dem Stand des
AKTUELLEN Wissens geklärt werden muss, ob die Art, die er neu entdeckt
hat, tatsächlich nirgendwo anders schon vorher beschrieben wurde
(weltweit!) sowie - auch darauf hat Andreas schon hingewiesen - alle
nahestehenden Arten ZWEIFELSFREI abgrenzt werden müssen (auch weltweit!).

War und ist mir klar, ich frage mich allerdings wirklich, warum solche Publikationen dann nicht jederzeit für jeden einsehbar sind oder sein sollten, eben zentralisiert, erst recht im IT-Zeitalter. So wie Patente. Hatte ich ja auch schon mal angeführt, das mit einer zentralistischen Struktur die Übersicht erheblich einfacher wäre. Und ich habe ein wenig das Gefühl, wirklich nur ein ganz zartes Gefühl, das schon viele Pilze neu beschrieben wurden, ohne das weltweit recherchiert wurde.
Und, das darf man nicht ausser Acht lassen, geht es natürlich auch um Geld in der Wissenschaft. Aber dieses Thema möchte ich nicht an dieser Stelle diskutieren.

Der "Stand der AKTUELLEN Wissens" hieß beim Ingenieur damals: "Stand der Technik", ein erheblich einfacher zu reproduzierender Status Quo.

Für welches Fachgebiet bist du den Dozent (Prof)?

Viele Grüße,

Jens

Eintrag gesperrt
29 Aufrufe

gesamter Thread: