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Re: Keine Tulpen mehr im Harzkreis

Wolfgang P., (vor 5340 Tagen) 1.082 Beiträge @ Axel Schilling

Lieber Wolfgang,
Microstoma protractum brauchst du nicht zu studieren, das haben bereits
andere gemacht. Du brauchst sie auch nicht besonders zu untersuchen, ein
Blick genügt.

Hallo Axel,

dasselbe hat man bis vor kurzem auch über Sarcoscypha gesagt. Mit dem Effekt, dass man jetzt alle Verbreitungskarten von S. coccinea wegwerfen kann. Weißt Du denn sicher, wieviele Microstoma-Arten sich wirklich dahinter verbergen?

Wer einen Pilz untersuchen und bestimmen will, hat m.E. moralisch jedes Recht, dazu Fruchtkörper nach Hause zu nehmen. Dass Mycel bleibt ja im Boden - ich hätte moralisch genauso kein Problem, wenn jemand zur Bestimmung eine Einzelblüte einer Orchidee entnehmen wollte (das Anerkennen staatlicher Regeln ist eine andere moralische Dimension, daher braucht man hierfür eine Genehmigung).

Das widerspricht in keiner Weise dem Respekt gegenüber der Natur, und soll auch nicht eine blinde Sammelwut rechtfertigen, an deren Ende ein "Fungarium" aus undokumentiertem Trockenpilz-Abfall steht.

Die Zahl der Pilzarten und Pilzstandorte, bei denen der Exoten-Tourismus zum Gefährdungspotential wird, ist aber glücklicherweise an einer Hand abzählbar (anders als bei Orchideen). Für die Kaiserlinge am Oberrhein gilt es (hier aber der Mensch als Fraßfeind), und vielleicht auch irgendwann für die Boleten am Blutsee. Insofern gilt schon der Kant'sche Imperativ, denn je mehr Menschen wir mit unserer Leidenschaft für Pilze anstecken, desto größer ist das Risiko, dass zu laxe Regeln zu einem Problem für die Natur werden.

Grüße,

Wolfgang

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