Re: Gedanken zu "Schadet Pilzesammeln?"
Hallo Andreas,
auch ich bin der Meinung, dass man durch Sammeln keine Art ausrotten kann.
Was aber die Rote Liste angeht, so habe ich da meine Bedenken, denn sie kann noch so gut recherchiert sein, ein Sammelverbot rechtfertigt sie nie.
Ich will das an einem Beispiel aufzeigen, dem Kaiserling: Streng genommen gehört der Kaiserling bei uns auf die Rote Liste, weil er wirklich extrem selten ist. Aber warum ist er das? Nicht, weil er hemmungslos gesammelt wird (wer kennt schon den Kaiserling?), sondern, weil er bei uns die nördlichste Grenze seines Verbreitungsgebietes in Europa hat und damit von Natur aus selten ist. Hauptsächlich kommt er ja wohl in Südeuropa vor.
Muss er dann wirklich bei uns auf die Rote Liste?
Noch ein Beispiel aus einem anderen Bereich gefällig?
Die Groppe – eine Kleinfischart – steht in Schleswig-Holstein auf der Roten Liste der gefährdeten Fischarten. Der einzige Nachweis gelang, so weit ich mich erinnere im Oberlauf der Bramau und der Trave.
Die Groppe aber ist in Wirklichkeit ein Fisch der schnellfließenden Forellengewässer in den Mittelgebirgen, wo sie so häufig ist, dass man sie überall findet. Die Gewässer in SH bieten den Groppen jedoch gar nicht den Lebensraum – haben ihn nie geboten.
Wenn also die Rote Liste der Pilze nach ähnlichen Kriterien aufgebaut ist, dann ist sie – mit Verlaub gesagt – blödsinnig: Man kann nicht etwas dort schützen, wo es nicht hingehört. Im Übrigen ziehen sich solche Irrtümer durch die gesamte Rote Liste (Bsp. Kormoran, Austernfischer oder Eisenten in Süddeutschland, Barben, Nasen in Norddeutschland).
Wenn also Naturschutzgebiete anhand der Roten Listen erstellt werden, führt das nicht selten zur Faunen- und Florenverfälschung in den betroffenen Gebieten. Was da unter der Fuchtel des gottseidank abgetretenen SH-Umweltministers Steenblock für ein, entschuldige bitte, Scheiß angerichtet wurde – da kann man wirklich nur sagen: „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!“
Gruß
Thomas