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Re: Gedanken zu "Schadet Pilzesammeln?"

Andreas Gminder ⌂, (vor 9667 Tagen) 275 Beiträge @ MUFTI

Warum eigentlich nicht ?
Bei einem Wildschwein, das den Pilz an Ort und Stelle verspeist, gibt
es diese Moeglichkeit der Sporenverteilung jedenfalls nicht...

Naja, sicherlich auch, denn die Verbreitung durch Wild ist für die Hypogäen lebensnotwendig. Wenn sie keiner ausbuddelt und frißt und dann die Sporen anderswo "ablegt", können sie sich nie ausbreiten. Deshalb riechen die Trüffeln auch je strenger desto reif. Fürs Myzel am Ort ist es aber besser, wenn nicht alle ausgegraben werden, dann kann es sich auch an Ort und Stelle verjüngen.

Wie ist deine Meinung, wenn jemand einen bereits aufgeschirmten
Pilz mit reifen Sporen erntet ? Durch die Unmenge an Sporen wuerde ich
davon ausgehen, dass dann mehr als genuegend Sporen da rumliegen, auch
wenn jemand (z.B. ein Wildschwein) den Fruchtkoerper dann mitnimmt.

Der Pilz muß ja eine Riesenmenge Sporen produzieren, weil die Chancen denkbar gering ist, dass an geeigneter Stelle 2 Sporen mit unterschiedlicher Polarisierung so auskeimen, dass sie sich die entstehenden Primärmyzel treffen. Am Standort des Pilzes, wenn er alt zum Boden sinkt, ist das wesentlich einfacher: Die Stelle ist geeignet und eine Menge Sporen keimen auf engstem Raum. Sobald der Fruchtkörper aber nicht direkt dem Boden aufliegt, gelangen die Sporen in den Luftstrom und werden fortgetragen. Mit dem Herumtragen von reifen Pilzen hindert man nicht die Fernausbreitung, aber fördern tut man sie sicher auch nicht besonders, denn die Pilzsporen werden auch vom stehenden Pilz aus weggetragen.

Und wie wuerdest Du urteilen, wenn jemand ganz politisch korrekt die
Reste einer Pilzeputzaktion wieder in den Wald zuruecktraegt ?

Theoretisch positiv, aber praktisch zuviel Aufwand für zuwenig Chancen auf Nutzen. Außerdem müßte man dann die Steinpilzreste zum Steinpilz-Platz, die Reste vom Hexen-Röhrling an die Stelle wo man ihn gefunden hat etc. zurückbringen. Sonst betreibt man ja womöglich noch FLorenverfälschung ;-)

Ich bin zwar auch der Meinung, dass Pilze auf der roten Liste nicht in
den Kochtopf gehoeren (einfach weil schon zuviele Lebewesen in den
letzten Jahrzehnten/Jahrhunderten ausgerottet wurden (viele davon
durch Bejagung/Absammlung) und ich glaube dass man da lieber kein Risiko
eingehen sollte. Ausserdem gibt es sowieso genuegend weit verbreitete
Speisepilze).
Aber wahnsinnig einleuchtend finde ich bisher deine Argumentation
angesichts der extrem grossen Sporenzahlen der Pilze auch nicht gerade....

Nicht umsonst hat die Natur die Pilzen soviele Sporen entwickeln lassen. Ohne die riesige Menge wäre ihre Chance der Neuansiedlung wo auch immer noch geringer. Blütenpflanzen haben's da einfacher: Samenkorn in Boden, Keimung, Pflanze fertig. Muß sie sich nur noch gegen die Konkurrenz erwehren, bzw. einen nicht allzu ungeschickten Standort gewählt haben. Sonst verschwindet sie natülich wieder. Pilze dagegen haben wesentlicher enger begrenzte Wachstumsfaktoren als Pflanzen und ihr Entstehen ist vom Zufall der Myzelbildung aus + und - Primärmyzelien abhängig. Ein gewaltiges Handicap, dass eben nur durch immensen Sporenvorrat aufgewogen werden kann.
Übrigens habe ich mal irgendwo gelesen, dass 50% des Luftplanktons (also der in der Luft enthaltenen, mikroskopisch kleinen Schwebeteilchen) aus Pilzsporen jedwelcher Art besteht (auch Schimmelpilze und so Zeug). Ganz schön umtriebig!

Grüße,
Andreas

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