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Re: Aussprache von Pilznamen

Schnuffel, (vor 6145 Tagen) 1.807 Beiträge @ Pilzmann

Hallo Peter!

Die von Harald, alias „Zuehli“, genannte Regel der Betonung auf der
drittletzten Silbe ist tatsächlich in etwa 70% der Fälle hilfreich.

Es läuft zwar auf das Gleiche hinaus, aber Harald hat von der Betonung des drittletzten Vokals gesprochen.

Ein modernes „paneuropäisches, geschweige denn deutsches Sprachgefühl hilft
hier allerdings nicht weiter.

Ich stimme Dir voll zu.

Aufklärung bringt grundlegend das „Handbuch für Pilzfreunde“, Band 3 S.22 ff.
von Hennig Kreisel. Eine sehr gute Ergänzung finden wir in Karin Montags
„Tintling“, Heft 4 aus 2008 = Band 57, von Erich Garau. Ohne humanistisch
gebildeter Altsprachler zu sein, kann man mit beiden Werken etwa 95% aller
Aussprachefragen lösen. Weitere Hilfe findet sich in einem kleinen,
antiquarischen Bändchen von Friedrich Lörtscher: „Kleines Fremdwörterbuch
der Pilzkunde Lateinisch-Deutsch“, Bern 1949, im Selbstverlag.

Das Bändchen von Friedrich Lörtscher ist leider schon seit Jahren nirgendwo zu bekommen.

Gerhard alias „Schnuffel“ sagte mir einmal, dass er im „Abbildungsverzeichnis
Europäischer Großpilze“ von Bollmann et alii, doch etliche
Fehlmarkierungen zur Betonung gefunden habe. Ich selbst habe das noch
nicht überprüft. Allgemein gilt die Betonungskennzeichnung in Ryman /
Holmåsen als weitgehend fehlerfrei. Dort finden sich aber „nur“ bis ca.
1.500 Pilzarten; Bollmann habe ich nicht durchgezählt (nach eigener Angabe
ca. 6.000 Arten mit Fruchtkörpern deren Durchmesser > 5 mm ist).

Bezogen auf die Anzahl der Pilze findet sich in Ryman/Holmåsen eine vergleichbare Fehlerquote, wobei wie im Bollmann öfters für denselben Artnamen eine falsche und auch die richtige Betonung gesetzt sind.

Auch hilfreich: Helmut Genaust: “Ethymologisches Wörterbuch der botanischen
Pflanzennamen“, 3.Aufl. Basel 1996.

Hilft auch nicht in allen Fällen, möchte ich aber nicht mehr missen.

Wo Harald Recht hat, ist bzgl. der Grundregel: „Betont wird auf der
drittletzten Silbe!“ - Es sei denn, die vorletzte ist „silbenlang“. Wann
sie das ist und welche vielen Ausnahmen von dieser Regel bestehen,
entnehmt bitte den genannten Werken. Eine dieser Ausnahmen ist übrigens
„Bolétus edúlis.

Ich kenne die Grundregel etwas anders (Stephan Rauschert in Michael, Hennig, Kreisel, Handbuch für Pilzfreunde, Band III, 2. Auflage, S.24-26):
In drei- und mehrsilbigen Wörtern wird die vorletzte Silbe betont, wenn sie lang ist; ist sie kurz, liegt die Betonung auf der drittletzten Silbe; zweisilbige Wörter werden stets auf der ersten Silbe betont.
Die Betonung auf der vorletzten Silbe ist daher der Normalfall, und Bolétus edúlis ist keine Ausnahme.

Leider kann ich meine eigene Zusammenfassung des Problems hier nicht
beifügen, da sie sich zur Zeit in den Gedärmen meiner EDV unauffindbar
versteckt hat bzw. verloren zu sein scheint. Wenn ich mal wieder Muße
finde, werde ich sie neu auflegen und auch unserer Gemeinde andienen.

Lass sie in Frieden ruhen, das ausführlichere Original ist vorzuziehen.

Gruß - Schnuffel

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