Re: Aussprache von Pilznamen
Hallo Peter,
wer sich bei edúlis irrt, das bist Du.
Ich zitiere H. GENAUST, ENZYKLOPÄDISCHES WÖRTERBUCH DER BOTANISCHEN PFLANZENNAMEN:
lat. edūlis ; (zu edere )
Es ist also die ganz normale Betonung auf der vorletzten Silbe, die naturlang ist, d. h. einen langen Vokal enthält. Das kann man dem Wort beim ersten Anblick natürlich nicht ansehen, aber man kann es im Wörterbuch nachschauen.
Es ist schon etwas verworren und weit hergeholt, wenn Du hier das Griechische bemühst, um eine "versteckte" Ausnahme von "Haralds" Regel (in erster Linie Betonung auf der drittletzten Silbe) zu konstruieren. Deine Ausführungen zur Zweikonsonanten-Regel im Zusammenhang mit edúlis sind meiner Meinung nach fehl am Platz. Das ist aber eigentlich nicht auf Deinem, sondern auf ERICH GAHRAUs Mist gewachsen.
Gruß - Schnuffel
Bei Boletus edulis irrst du, wenn du behauptest, die Betonung gehorche der
"normalen" Betonung der vorletzten Silbe. Die vorletzte Silbe
wird betont, wenn sie "lang" ist. Das ist aus der bloßen
Buchstabenfolge edulis aber nicht zu ersehen (kein Zwielaut/Doppelvokal,
kein Doppelkonsonant ausgangs der vorletzten Silbe. Also vom bloßen
Ansehen her müsste es édulis heißen. "edúlis" ist tatsächlich
eine der Ausnahmen, die sich normalerweise nur dem Absolventen eines
Graecums erschließen. Das habe ich zwar auch nicht, habe mich aber schlau
gemacht. Edulis kommt von edo (=ich esse) und entspricht dem lateinischen
"esculenta" (= essbar). Die ollen Griechen sagten dazu
"edóslis". Damit ist in "edúlis" ein Doppelvokal
versteckt / verschwiegen, der zur Silbenlänge der vorletzten Silbe führt.
Eine Aufweichung der Betonung der vorletzten Silbe durch das "l"
als zweitem Bestandteil des Doppelvokals am Ende der vorletzten Silbe
(muta cum liquida) kommt hier nicht zum Tragen, weil das "s" in
edoslis nicht als Verschlusslaut (diese sind: b, d, g, p, t, k, c, ph, th,
ch) gilt. "Haralds Regel" wird deshalb hier nicht verletzt, weil
die Betonung von edulis hier einer (versteckten) Ausnahme gehorcht (s.
dazu: Erich Gahrau: "Zur Betonung der botanischen Namen", in
"Der Tintling - Die Pilzzeitung" von Karin Montag, Heft 4/2008).
Wie schon früher gesagt: Man kann sich aus der grundlegenden Regel: (neu-)
lateinische Namen werden bei Wörtern mit drei oder mehr Silben
grundsätzlich auf einer der letzten zwei Silben betont ambivalent
behaupten, sie werden auf der drittletzten Silbe betont, es sei denn ...,
oder auf der vorletzten, es sei denn... Zu beiden Varianten muss man dann
die nicht wenigen Ausnahmen formulieren. Das mag jeder tun, wie es ihm am
verständlichsten erscheint. Ich hänge eher an "Haralds Regel",
die in ihrer Ausformung ja eigentlich meinem Pamphlet von vor drei Jahren
entspricht. Es reizt mich aber, auch mal den zweiten Weg auszuformulieren.
Man kann natürlich die von mir schon genannte Literatur pur lesen und sich
seinen eigenen Reim darauf machen. Nur ohne Schematisierung wird es
schwieriger mit der Einordnung der richtigen Aussprache.
Gruß, Peter!